Deutsche Blogger entdecken die Politik und agieren politisch wie selten zuvor. Grund ist das Verhalten des Bundesinnenminsters Wolfgang Schäuble. Und einige seltsame Gesetze der letzten Wochen.
Deutsche Politiker machen sich derzeit nicht beliebt bei den Bewohnern der Netzwelt. So fallen sie im Bezug auf das Internet vor allem durch eins auf: Unwissen.
Das brachte die Blogger in Deutschland vor kurzem noch zum lachen, dann zum Verzweifeln und treibt sie nun in einen Aktionismus, den man selten zuvor auf politischem Gebiet gesehen hat.
Dabei schwankt der Aktionismus zwischen Satire, bösen Witzen und gut gemeinten Ansätzen:
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat in den letzten Wochen mit seiner Diskussion um verschärfte Überwachungsmaßnahmen und Kommunikationseinschränkungen nicht nur in der Blogosphäre für Wirbel gesorgt.
So zweifelt man allgemein an den Grundgesetz-Kenntnissen des Innenministers und versucht es mit Aufklärung: Auf den Seiten des Deutschen Bundestages kann man als Bürger eine Ausgabe des Grundgesetzes bestellen. Um dort noch einmal nachblättern zu können, wenn es um die Freiheit und Rechte der Bürger geht, soll man eines der maximal drei bestellbaren Exemplare doch einfach an Wolfgang Schäuble senden.
Wie, was und wohin kann man beim Ideengeber Sven Scholz sowie bei Frank Wettert und Patrick Jedamzik nachlesen.
Die Aktion “Blogger helfen Schäuble” geht noch einen Schritt weiter. Sie ruft auf, präventiv gleich alle privaten und beruflichen E-Mails in Kopie an die elektronischen Postadressen von Schäuble und dessen Kollegin Brigitte Zypries zu schicken.
Eine andere Herangehensweise an deutsche Politiker, die durch falsche oder fehlende Informationen Gesetze wie das zweifelhafte neu Urheberrecht oder den Hacker-Paragraphen “durchwinken” will Gernot Poetsch etablieren: So schlägt er eine Initiative vor, die sich zur Aufgabe machen soll, Politiker anzusprechen und auf hohem und gutem Niveau über Themen des Internet zu informieren.
Und auch in Blogeinträgen selbst setzen sich zunehmend mehr Blogger mit den Plänen der Regierung auseinander. So beispielsweise Der Spiegelfechter, Netzpolitik.org oder der auf Twitter bloggende “schaeuble“.
Steht Deutschland vor der Geburt der lang erwarteten politischen Blogkultur?
Thomas Gigoldist Journalist und Berufsblogger. Blogger ist Gigold bereits seit den letzten Dezembertagen des Jahres 2000, seit 2005 verdient er sein Geld mit Blogs und arbeitete u.a. für BMW, Auto.de und die Leipziger Messe. Selbst bloggt Gigold unter medienrauschen.de über Medienthemen.












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