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Blogpiloten

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“Second Life” war vor wenigen Wochen noch der Liebling der Web-Postillen. Von der zweiten, virtuellen Welt erwartete man Wachstum, Reichtum und unbegrenzte Möglichkeiten. Und jetzt?

Seit ein paar Tagen hat sich der Wind gedreht. Und wer die Schlagzeilen um die bekannte 3D-Welt liest, dem fällt auf: Für die Presse stirbt die zweite Welt im Netz.

Doch ist dem wirklich so?
Second Life” hat innerhalb des letzten Jahres eine rasante Entwicklung durchgemacht. Vom nahezu unbekannten Biotop einiger tausend Enthusiasten ist die virtuelle Zweitwelt zum presseumschwirrten Planeten von Millionen geworden. Und hinzugezogen sind nicht nur Siedler, sondern auch Goldgräber und Marktschreier. Dass nach einer solch rasanten Entwicklung der Kopfschmerz nach einer Zeit nicht ausbleibt, ist verständlich. Begründet allerdings bei weitem keinen Niedergang.

Second Life” erfreute sich in den letzten Monaten wachsender Beliebtheit. Immer mehr Menschen strömten – nicht zuletzt aufgrund der vielen Medienberichte – in die virtuelle Welt. Nun allerdings stagniert das Wachstum erstmals wieder: So ist die Zahl der aktiven Nutzer um 2,5 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Vormonat.

Das Plateau scheint erreicht?
Dass eine Plattform nicht unendlich wachsen kann, war bereits vor dem Causa “Second Life” bekannt. Allerdings wohl nicht bei allen Agenturen, wenn man so manche Reaktion auf die Nachricht des Betreibers Linden Lab liest. Denn plötzlich hat man den Eindruck, als hätte niemand damit gerechnet. Nicht damit, dass eine Investition in eine virtuelle Shoppingmeile nur dann sinnvoll ist, wenn man sie als Werbung und nicht als Marktplatz sieht. Oder damit, dass von den 8,19 Millionen registrierten Nutzern tatsächlich nur ein Bruchteil die zweite Welt regelmäßig besuchen.
Und so dreht sich der Wind. Und nach Kinderpornographie, stagnierendem Wachstum und enttäuschten Unternehmen wird aus der Hypewelt der letzten Monate plötzlich der Todeskandidat des nächsten Herbst.

Gerecht ist das nicht.
Aber realistisch. Einem jeden Hype nämlich folgt die Ernüchterung. Und danach die Nutzung des ehemaligen Hype-Opfers mit der ausreichenden Menge an Menschenverstand. Hype-Cycle nennt man das. “Second Life” ist mittendrin. Aktuell im “Tal der Enttäuschungen”.

Für einen Abgesang ist es also noch zu früh.
“Second Life” wird auch weiterhin ein fester Bestandteil des neuen Web sein. Und in einigen Monaten – nach dem Tal-Aufenthalt – vielleicht sogar in einer auch für Unternehmen interessanten Form. Jenseits des Hype.

Für “Second Life”-Interessierte empfehlen wir das Blog von Enthusiast Markus Breuer. Er berichtet immer wieder über das “Spiel”.

Über den Autor
Thomas Gigoldist Journalist und Berufsblogger. Blogger ist Gigold bereits seit den letzten Dezembertagen des Jahres 2000, seit 2005 verdient er sein Geld mit Blogs und arbeitete u.a. für BMW, Auto.de und die Leipziger Messe. Selbst bloggt Gigold unter medienrauschen.de über Medienthemen.
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Thomas Gigold | Social Media | 19.07.07, 12:20
 
 

3 Kommentare zu “Der Niedergang von Second Life”
 
16:59 | Jul 19' 2007| Sternennacht in Second Life (Robbie Dingo, Vincent van Gogh) | POPLOG schreibt:

[...] Zur Zeit scheint es en vogue zu sein, den Untergang, das Sterben, die Ablösung, die Entvölkerung, die Kriminalisierung oder das Ausknipsen der virtuellen Realitätsumgebung “Second Life” zu prognostizieren. Wobei es natürlich auch gemäßigte Stimmen gibt wie Thomas Gigold, der Second Life lediglich im “Tal der Enttäuschungen”, einer ganz normalen Phase des Hype-Zyklus, sieht. Ich sehe das auch nicht so dramatisch und freue mich nach wie vor über die auch in Second Life deutlich zu erkennende Ökonomie des Long Tail. Ein Beispiel dafür ist die Nutzung dieser “Umgebung” (gibt es dafür einen besseren Begriff?) durch Künstler. Ein wunderbares Beispiel dafür ist der folgende Machinima-Clip von Robbie Dingo, der das Gemälde “Sternennacht” (1889) von Vincent van Gogh dreidimensional in den virtuellen Raum zeichnet. Auch wenn es also tatsächlich allmählich dunkel wird in Second Life, ist das nicht nicht schlimm, weil man dann erst die Sterne so richtig leuchten sieht. [...]

 
12:03 | Jul 20' 2007| Sebastian Gievert schreibt:

Mein Eindruck von Second Life war so: Täglich schlugen zwei bis drei PR-Texte auf, wer jetzt noch alles eine Repräsentanz in Second Life eröffnete. Und wenn man sich dort einmal umgesehen hat, war kaum etwas los. Zwischenzeitlich hat sogar der wissenschaftliceh Dienst des Bundestages den Abgeordneten erklärt, was denn dieses Second Life ist…

 
15:16 | Sep 12' 2007| bwl zwei null » Second Life stagniert und ich arbeite an einem Erklärungsmodell schreibt:

[...] Ein Grund zur Sorge? Oder zur Schadenfreude? [...]

 
 
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