“TinEye does for images what Google does for text”, so die optimistische Ansage von AmberMac, Co-Moderatorin von Net@Nite. In einem kurzen Werbevideo für TinEye erklärt sie, was die neue Bildersuchmaschine aus dem Haus Idée denn so kann. Und das ist: Bilder suchen oder besser: Bilder wiederfinden. Klingt banal? Ist es nicht, keineswegs. Denn TinEye geht dahin, wo traditionelle Suchmaschinen nicht hinkommen: Direkt in die Bilder.
Klassische Suchmaschinen haben Probleme mit Bildern
Google, Yahoo! und Co suchen nach Schlüsselwörtern und Dateinamen. Wo “Banane” draufsteht, ist auch Banane drin, so die Denkweise. Doch hat diese Funktionsweise einige gewaltige Schwächen. Nicht nur lassen sich Suchmaschinen recht einfach manipulieren, indem zum Beispiel die Namen bekannter Schauspieler missbraucht werden, um Traffic auf die eigenen Seiten zu lotsen. Vor allem tragen Abermillionen Bilder privater Digitalkameras Namen wie “CIMG002482.jpg” – die Kameras selbst vergeben diese Namen automatisch. Benennt der Fotograf die Bilder anschließend nicht um, sind sie für Suchmaschinen verloren.
TinEye sucht direkt in den Bildern
Dieses Problem möchte TinEye lösen – und analysiert direkt die Bilddaten. Zwar lassen sich – im Gegensatz zur Google Bildersuche – keine Bilder nach Stichworten suchen: Wer erwartet, ein Bild der Mona Lisa zu suchen, wird enttäuscht. Dennoch hält TinEye in gewisser Weise das Versprechen, mit Bildern das zu tun, das Google mit Text tut, nämlich: Dopplungen finden. So wie Google im Grunde die Zeichenfolge “Mona Lisa” sucht und all die Seiten ausspuckt, in denen diese Wörter vorkommen, so findet TinEye all die Websites, in denen ein bestimmtes Bild wieder auftaucht. Soviel zur Theorie.
TinEye sucht Dopplungen und Abwandlungen
Um eine Suche zu starten, braucht TinEye zunächst das Ausgangsbild, das gefunden werden soll. Dieses Bild kann hochgeladen werden, eine URL zum Bild genügt aber auch schon. Sobald es die Daten hat, legt TinEye los und durchsucht rund eine halbe Milliarde Bilder im Netz. Gefunden werden dabei nicht nur exakte Abbilder, sondern auch – und das ist spannend! – modifizierte Abwandlungen des Startbildes.
Und hier haben wir auch schon die große Stärke und die große Schwäche von TinEye.
Stark: Von zwei Testsuchen (ein klassisches Bild des Berliner Fernsehturms und ein etwas obskures Bild von Sascha Lobo) wurden – vermutlich korrekterweise – im Netz nirgends als Dopplung gefunden. Ein Bild der Mona Lisa dagegen hat TinEye nicht nur mehrmals im Netz aufgespürt. Der Dienst spuckte auch gleich noch einige Fotos der echten Mona Lisa aus, hat also die identische Bildstruktur erkannt – bei dem Grad der Verfremdung beeindruckend.
Schwach: Bislang durchsucht TinEye eine halbe Milliarde Bilder. Klingt viel, ist es aber keineswegs. Eine einfache Bildersuche bei Google (Suchbegriff: RSS) bringt allein ebenso viele Treffer – und zeigt damit, wie winzig TinEyes Bilderpool im Vergleich ist. Das macht es ziemlich schwierig, eine vernünftige Aussage über die Ergebnisqualität von TinEye zu machen. Fairerweise muss man sagen: TinEye ist noch in der privaten Beta.
Blogpiloten-Urteil
Das Einsatzgebiet von TinEye ist recht eingeschränkt: “Wo wurde dieses Bild kopiert?” Ob hierfür Bedarf besteht? Die Konkurrenz forscht an aktiver Bildanalyse, bei der zum Beispiel bestimmte Gesichter gesucht werden oder auch Schriftzüge, erlauben also aktive Suche nach neuen Inhalten. Allen Datenschutzbedenken zum Trotz, so eine Gesichtersuche hat ihren Reiz. TinEye dagegen scheint hier mit seiner Kopiensuche geradezu passiv. Dennoch: TinEye hat starke Suchalgorithmen, gar keine Frage. Bis der Dienst aber wirkilch einsatzfähig ist, werden noch einige Monate ins Land ziehen. Damit die Suche nach Kopien wirklich Sinn ergibt, wird TinEye noch eine ganze Menge mehr Bilder durchsuchen müssen. Die halbe Milliarde kann nur der erste kleine Schritt gewesen sein.
Peter Bihr(Projektleitung) lebt als selbständiger Online-Strategieberater in Berlin und hilft Unternehmen, ihre Strategien erfolgreich ins Netz zu übertragen. Über die Themen Web 2.0, Blogs und Social Media schreibt und twittert Peter auch privat unter TheWavingCat.com.












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