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Blogpiloten

Rastlose Blogger präsentieren das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 und lassen Experten Klartext sprechen. Wir nehmen euch mit an die aufregendsten Orte der digitalen Welt. [ÜBER UNS]

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[Quelle: tfrancis on Flickr]

Eine junge Generation von Internetnutzern steht gerade im Zentrum der Aufmerksamkeit von Forschern, Telekommunikationsunternehmen und Internetdiensten: die Digital Natives. Eine Nutzergruppe, die nicht mehr zwischen Online- und Offline-Identität unterscheidet, die sich Nachrichten über Facebook und StudiVZ zusendet statt E-Mails und für die YouTube zum täglichen Leben gehört wie für Ältere die allabendliche Tagesschau. Die Digital Natives sind mit den digitalen Medien aufgewachsen, bewegen sich seit ihren Kindertagen im World Wide Web. Dadurch verändern sie Einstellungen von Identität und Privatheit, ihr Lernverhalten und nicht zuletzt die Arbeitswelt – so zumindest einige Thesen.

Nur zu logisch, dass es für die Generation, die das Internet scheinbar mit der Muttermilch aufgesogen hat, eigene Netzwerke gibt: DNAdigital will die auf den Arbeitsmarkt drängenden Digital Natives mit „Topentscheidern“ in Kontakt bringen. Kreativer, offener, vernetzter – das seien die Vorteile der Digital Natives. Im Gegensatz zu ihnen müssten sich ältere Nutzer, die „Digital Immigrants“, ihre Fähigkeiten zu einer späteren Zeit im Leben aneignen. Daher hinkten sie den Natives in Sachen Medienkompetenz immer ein Stückchen hinterher – und würden sich nie im gleichen Maße im Netz zu Hause fühlen.

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[Marc Prensky - Quelle: smetty on Flickr]

Marc Prensky, Designer für e-learning Games und Web-Experte, machte den Begriff 2001 mit seinem Artikel „Digital Natives, Digital Immigrants“ [PDF] erstmals in der breiteren Öffentlichkeit bekannt. Mittlerweile beschäftigt sich ein gemeinsamer Forschungszweig der Harvard Universität und der Schweizer Universität St. Gallen mit der jungen Nutzergruppe. Gleich mehrere Bücher machen sie zum Thema: So etwa Johann Günthers „Digital Natives & Digital Immigrants“ [Amazon] und das in der Forschungsarbeit von Harvard und St. Gallen entstandene „Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben – Was sie denken – Wie sie arbeiten“ von Urs Gasser und John Palfrey [Amazon].

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[Quelle: radioflyer007 on Flickr]

Tatsächlich stellen Teens und Twens heute die größte Nutzergruppe: In Deutschland haben laut ARD/ZDF-Onlinestudie fast 97 Prozent der 14-19-Jährigen Zugang zum Internet. Für sie ist das WWW das Medium Nummer eins, sie verbringen mehr Zeit im Netz als mit jedem anderen Medium. 120 Minuten pro Tag sind sie online – dagegen sitzen sie etwa 100 Minuten vor dem Fernseher und hören 97 Minuten Radio. Von den 20-29jährigen sind immerhin noch fast 80 Prozent regelmäßige Internetnutzer.

Doch wie kreativ sind sie dabei wirklich? Die Produktion eigener Inhalte ist auch für die jungen Nutzer eher die Ausnahme. Nur etwa ein Drittel ist laut der ARD/ZDF-Studie überhaupt daran interessiert. Auch die gute alte E-Mail ist noch längst nicht tot: Von den 20-29-Jährigen wird sie wesentlich häufiger genutzt (zu 96 Prozent) als etwa Chats oder Foren (46 Prozent) oder Instant Messaging (60 Prozent). Senden und empfangen von E-Mails und die Nutzung von Suchmaschinen gehören zu den beliebtesten Internetaktionen – bei den 14-Jährigen wie bei den 60-Jährigen. Auch Weblogs werden nur von einer Minderheit der jungen Nutzer gelesen oder gar selbst geführt. Die OECD berichtet in einer Studie [PDF], dass knapp über 20 Prozent der 16-24-Jährigen Deutschen eine eigene Website oder ein Blog betreiben würden.

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[Quelle: toddiehighstand on Flickr]

Wesentlich häufiger als die „Immigrants“ nutzen die Digital Natives allerdings interaktive Medien. Zum großen Teil findet man sie in den Social Networks von StudiVZ bis MySpace. 68 Prozent der Teenies und immerhin noch 57 Prozent der Twens haben laut ARD/ZDF-Studie ein Profil bei einem Social Network-Anbieter. Beliebt ist alles, worüber man sich mit Freunden unterhalten kann: Nach dem OECD-Report haben fast 65 Prozent der 16-24-Jährigen Nachrichten in Chats, Newsgroups oder Foren geschrieben. Hier vernetzen sie sich mit Freunden, machen neue Bekanntschaften und tauschen Nachrichten aus.

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[Quelle: bigduke6 on Flickr]

Das bringt aber auch neue Probleme mit sich: Social Networks, Chats und Instant Messaging Systeme (IMS) bauen auf die Eingabe persönlicher Daten – und der Großteil der Digital Natives gibt diese nur zu freizügig über sich preis. Denn die Datenschutzrichtlinien der Websites lesen die Wenigsten, wie Gasser und Palfrey in ihrem Buch anhand von Interviews mit jungen Nutzern feststellen. Es fehle häufig ein Bewusstsein dafür, dass der scheinbar private Raum der Netzwerke tatsächlich komplett öffentlich sei. So landet dann auch das ein oder andere Knutschfoto bei SchülerVZ – und kann spätestens bei einer Bewerbung negative Auswirkungen haben.

Eine andere Frage ist, wie gut die jungen Internetnutzer zwischen glaubwürdigen und weniger glaubwürdigen Informationsquellen unterscheiden können. In Deutschland findet laut ARD/ZDF-Onlinestudie zwar nur eine Minderheit der Internetnutzer Infos auf Weblogs vertrauenswürdig – in den USA vertrauen junge Nutzer dagegen schon sehr auf User Generated Content, will eine Studie von Capgemini festgestellt haben [PDF]. Und nicht zuletzt die Wikipedia ist bei Schülern und oft auch Studenten erste Anlaufstelle für Informationen– was in dem nutzergenerierten Online-Lexikon steht, wird schon stimmen, so die Annahme.

Noch nicht jeder junge Internetnutzer ist gleich ein Digital Native. Denn noch bestimmen häufig der Wohnort oder der Geldbeutel der Eltern, ob ein Zugang zum Internet überhaupt möglich ist: Die flächendeckende Anbindung von ländlichen Gebieten ist noch nicht gegeben, Kinder aus einkommensschwachen Schichten und Migranten haben häufig nicht dieselben Zugangschancen wie ihre Altersgenossen. Zurzeit unterscheidet sich die Internetnutzung eines Abiturienten mehr von der eines Hauptschülers als von der eines gut ausgebildeten, netzaffinen Erwachsenen – die Zugehörigkeit zu den Digital Natives ist weniger eine Frage des Alters als eine der Zugangsmöglichkeiten, das schreiben auch Palfrey und Grasser in ihrem Buch. Zudem bedarf es medienkompetenter Anleitung, der Vermittlung eines Bewusstseins für Datenschutz, Privatsphäre und Informationsbewertung, damit Kinder sich zu Digital Natives entwickeln können. Daher müssen ausreichend Zugangs- und auch Schulungsmöglichkeiten geschaffen werden, damit nicht ein Teil der Jugendlichen ins digitale Abseits gerät.

Über den Autor
Simone Gerdesmeierist freie Journalistin. Von April 2007 bis September 2008 absolvierte sie ein Volontariat bei politik-digital.de und arbeitet heute under anderem für Zebralog. Privat bloggt sie unter More Sexappeal In Politics.
Simone Gerdesmeier | Blogwelt | 16.10.08, 07:25
 
 

16 Kommentare zu “Digital Natives – Über die naiv-kompetenten Web-Youngsters”
 
15:40 | Okt 18' 2008| Simone Gerdesmeier schreibt:

Interessant in dem Zusammenhang ist auch die aktuelle Allensbach-Studie (http://www.acta-online.de/ unte Präsentationen), die die Veränderung der Mediennutzung beobachtet. Die kommt noch mal auf ein paar andere Zahlen als die ARD/ZDF-Studie: So würden 11 Prozent der Internetnutzer etwa ein Weblog führen und Video-Inhalte einstellen – was dann doch ziemlich viele wären.

 
18:44 | Okt 27' 2008| mindlounge» Blogarchiv » Aller guten Dinge sind 3! schreibt:

[...] Der Open Space zeigte ganz klar, dass “wir” bei diesem Thema relativ am Anfang stehen. Denn nicht nur die Definition von Digital Native wird heiß diskutiert, sondern auch deren Selbstverständnis. [...]

 
14:18 | Nov 04' 2008| DNAdigital: öffnet den Raum zwischen Wirtschaft und den digital natives « gophi’s Versuch einer Methexis schreibt:

[...] (weiterführende Artikel: Digital Natives – Über die naiv-kompetenten Web Youngsters, von Simone Gerdesmeier, 16.10.2008 (Nicht alle Kinder sind automatisch Digital Natives. Es müssen Schulungsmöglichkeiten für Jugendliche angeboten werden)) [...]

 
10:02 | Nov 28' 2008| Digital Immigrants, Digital Natives, Schule und Web 2.0 ‹ dreitehabee schreibt:

[...] „Die Produktion eigener Inhalte ist auch für die jungen Nutzer eher die Ausnahme,“ so die Blogpiloten eine ARD/ZDF-Studie zitierend, und die Reichweite dieser Aussage ist größer als vorerst angenommen: Digital Natives sind zwar mit digitalen Technologien aufgewachsen und haben ihr Denken an die strenge Logik der Computerprogramme, Videospiele und ihres iPods angepasst, sind stärker vernetzt und multi-tasking-fähig, doch führt das nicht unbedingt zu einer anderen (besseren?) Art Verarbeitung von Information und zur Benutzung dieser digitalen Hilfsmittel; zwischen Digital Immigrants und Digital Natives gibt es vielleicht einen Unterschied in Bezug auf das geistige Verarbeiten von Information und in Bezug auf die Anforderungen der Informationsbeschaffung, die Umsetzung allerdings bleibt bei beiden auf der Strecke. Die Vermutung, dass es die Digital Natives sind, die sich ihren Inhalt selbst im Web erschaffen, wird im Keim nahezu erstickt. Weiter die Blogpiloten zum Thema User Generated Content: Nur etwa ein Drittel ist laut der ARD/ZDF-Studie überhaupt daran interessiert. Auch die gute alte E-Mail ist noch längst nicht tot: Von den 20-29-Jährigen wird sie wesentlich häufiger genutzt (zu 96 Prozent) als etwa Chats oder Foren (46 Prozent) oder Instant Messaging (60 Prozent). Senden und empfangen von E-Mails und die Nutzung von Suchmaschinen gehören zu den beliebtesten Internetaktionen – bei den 14-Jährigen wie bei den 60-Jährigen. Auch Weblogs werden nur von einer Minderheit der jungen Nutzer gelesen oder gar selbst geführt. Die OECD berichtet (…), dass knapp über 20 Prozent der 16-24-Jährigen Deutschen eine eigene Website oder ein Blog betreiben würden. [...]

 
16:36 | Dez 14' 2008| sascha schreibt:

Ein sehr guter Artikel findet man unter (ist leider in Englisch):

Locative media and the city: from BLVD-urbanism towards MySpace urbanism by Martijn de Waal

“The city of the digital natives

Most of these theories see the city as a purely physical space. So, how do these theories hold up in the era in which the city is saturated with media networks such as, to name just a few, GPS, WIFI, UMTS, HSDPA, GSM? Now that mobile and locative media change our interaction with our environment, no longer do we just experience the physical city itself: we SMS and chat with distant friends who in our minds are near at hand. We can inquire about our location, or leave virtual graffiti for those who’ll pass by after us. We can withdraw our attention from our actual surroundings, and into the mediated spaces of these networks. Or we can actively engage with our surroundings through the screens of our mobile phones.”

http://www.receiver.vodafone.com/locative-media-and-the-city

 
13:01 | Apr 01' 2009| konzeptblog » Es gibt sie doch! schreibt:

[...] die Diskussion noch läuft, ob es die Digital Natives überhaupt gibt, melden diese sich schon zu Wort. Und zwar [...]

 
09:57 | Apr 09' 2009| @soulofkor schreibt:

Kreativer, offener, vernetzter – Digital Natives http://tinyurl.com/chceuk – These: Wer sich heute im Inet nicht darstellt, existiert nicht?

 
20:45 | Apr 09' 2009| Re:publica09 - Shift happens, really? - Literatenmelu schreibt:

[...] Auch wenn im Grunde nichts Neues über die Handhabung des Internets der sogenannten Digital Natives herauskam, so wurden meine Wahrnehmungen jedoch bestätigt. Ein Gros der Jugendlichen kennt die [...]

 
01:07 | Apr 18' 2009| Erwachsenenbildung für Digital Natives - was soll nur werden? « Die Göre lebt - Blog zu 7 Beruf(ung)en schreibt:

[...] Einen interessanten Blog-Artikel über Digital Natives fand ich übrigens gerade bei [...]

 
09:19 | Apr 28' 2009| Wahlkampf in StudiVZ | Blogpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 schreibt:

[...] Beiträge zur Zensursula zu stolpern, wetteifern die Parteien nach wie vor um die Stimmen der Digital Natives. Der neueste Coup: Nachdem sich die Politiker bereits auf Facebook tummeln, öffnet nun auch [...]

 
13:02 | Mai 01' 2009| DIGITAL NATIVES /Über die naiv-kompetenten Web-Youngsters « bloggedgraphics | schreibt:

[...] Quelle: http://www.blogpiloten.de/2008/10/16/digital-natives-uber-die-naiv-kompetenten-web-youngsters [...]

 
11:15 | Mai 16' 2009| Digital irgendwas: Natives, Immigrant, … | Gedankenblitze schreibt:

[...] Digital Divide ist eines der grossen Themen der Online Soziologie. Digital Natives werden den Digital Immigrants [...]

 
01:18 | Jun 08' 2009| Netzwerk Sportjugend schreibt:

[...] wollen und vor allem auch können. Und das gilt bei weitem nicht nur für die jungen “Digital Natives” unter den [...]

 
18:16 | Jul 12' 2009| Digital Natives - wer ist das eigentlich? | schreibt:

[...] http://www.blogpiloten.de/2008/10/16/digital-natives-uber-die-naiv-kompetenten-web-youngsters/ [...]

 
16:33 | Nov 03' 2009| digitale Integration | Dossier Mediathek schreibt:

[...] Weitere Links zum Thema: Blogpiloten – Digital Natives – über die naiv-kompetenten Webyoungsters (vom 16.10.2008) [...]

 
12:45 | Nov 13' 2009| ddr = drm (?) « I have recently become happy and I find it over-rated schreibt:

[...] tut, einige interessante facetten auf. mein erster impuls: warum nicht die analogie nutzen, um den vielerwähnten digital natives, die keine ahnung von der ddr haben, weil sie zu jung dafür sind, mal zu [...]

 
 
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