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Blogpiloten

Rastlose Blogger präsentieren das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0 und lassen Experten Klartext sprechen. Wir nehmen euch mit an die aufregendsten Orte der digitalen Welt. [ÜBER UNS]

PR-Blogger” Klaus Eck beschäftigt sich seit Jahren mit Online-Reputation-Management. “Karrierefalle Internet” heißt sein im Oktober erschienenes Buch. Die Blogpiloten sprachen mit dem Kommunikationsberater zum Thema.

Blogpiloten: Wie sind Sie dem Thema Online-Reputation-Management näher gekommen?

klauseck-farbe.pngKlaus Eck: Das Thema digitale Identität und Online-Reputation hat mich schon lange fasziniert. So habe ich bereits in meinem allererster Blogeintrag von 1999 etwas darüber geschrieben. Damals war es noch ein privates Online-Tagebuch. Als Politikwissenschaftler habe ich vor mehr als 15 Jahren meine Diplomarbeit über ein Identitätsthema geschrieben und mich sehr stark mit dem Soziologen Norbert Elias auseinandergesetzt, dessen Werk “Etablierte und Außenseiter” es mir besonders angetan hat.

Menschen gehen im Web sehr unsicher mit ihrer Identität um, weil sie nicht wissen, wie sie von Fremden wahrgenommen werden bzw. die Folgen nicht richtig abschätzen können. Das Thema Online-Reputation wird meistens sehr negativ diskutiert. Im Prinzip habe ich die “Karrierefalle Internet” geschrieben, weil es darum geht, eine Kulturtechnik neu zu erlernen. Jeder sollte sich Gedanken darüber machen, wie er von anderen im Internet wahrgenommen werden will und darauf entsprechend reagieren. Wer online nicht aktiv ist, muss mit manchmal harten Folgen im Realleben rechnen.

BP: Wie kann ich mich weiterhin im Netz zivilgesellschaftlich betätigen, auch als kontroverser Privatmensch mit Ecken und Kanten, und dennoch karrieremäßig nicht in Gefahr geraten?

Wenn Sie sich bewerben, wird der Personaler nicht unterscheiden, ob Sie diese Dinge privat oder beruflich machen. Es ist ein Missverständnis zu glauben, dass irgendetwas von dem, was Sie ins Netz unter Ihrem Namen publizieren noch privat ist. Diesen Unterschied sehen viele im Business nicht. Deshalb wissen Sie nie, was von einer vermeintlich privaten Unterhaltung an die Öffentlichkeit gelangt. Mir ist es selbst schon einige Male passiert, dass ich kleinere Partygespräche am nächsten Tag in einem Blog nachlesen konnte oder dass Fotos von mir online gestellt worden sind. Um Erlaubnis hat hierbei niemand gebeten.

BP: Zu wieviel Schere im Kopf führt all das?

Das ist schwierig – je wahrhafter Sie selbst in Ihrem Leben sind, desto einfacher wird die Kommunikation für Sie auch sein. Sie können sich gar nicht bis zum Letzten inszenieren und ständig versuchen, etwas zu verbergen. Das ist in Wirklichkeit allenfalls dann problematisch, wenn Sie damit radikalere Ansichten vertreten. Die Schere im Kopf wird sicherlich dadurch verstärkt, dass Menschen Angst haben, sich in jeder Hinsicht offen darzustellen. Es geht nun wirklich nicht darum, zu vermeiden, in NGOs aktiv zu sein. Das ist in vielen Bereichen vermutlich ohnehin eher ein positives Kriterium. Und wenn Sie als Student vor vielen Jahren noch ein Hausbesetzer, ein Autonomer oder sonstiger politischer Aktivist waren, wird man Ihnen nicht unbedingt gleich unterstellen, dass Sie 10 Jahre später nicht ins Berufsleben passen. Allerdings wird durch das Internet und Social-Media-Aggregatoren alles sehr viel transparenter. Daran sollte man immer denken, wenn man online im eigenen Namen unterwegs ist.

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Werden sich Headhunter und Personaler daran gewöhnen, dass häufiger Nuancen zu Tage kommen, die man im klassischen Lebenslauf nicht dargestellt hätte?

Definitiv. Momentan erleben wir einen Übergangsprozess. Jedoch schon bald werden Personalverantwortliche biographische und Rollenunterschiede machen und sehen, dass jemand in einem privaten Umfeld anders agiert als in einem beruflichen Kontext. So dramatisch wie es in manchen Medien dargestellt wird, verhält es sich nicht mit den Risiken der Digitalisierung unserer Lebenswelten. Auffällige Fotos schaden weniger als ein inkonsistenter Lebenslauf, der online für jeden Headhunter überprüfbar ist. Manchmal reicht dazu bereits ein Blick ins Xing-Profil. Viele vergessen bei alledem, dass auch die Mitarbeiter eines Unternehmens neugierig sind und gerne den Namen neuer Kollegen googlen, um sich auf diese innerlich vorzubereiten. Es wird völlig unterschätzt, dass wir längst in einem lebenslangen Bewerbungsprozess stecken und uns nicht nur dem Arbeitgeber gegenüber verantworten müssen.

BP: Welche Rolle räumen Sie an die Öffentlichkeit geratenen rein privaten Dingen ein, etwa dem rachsüchtigen Ex-Ehepartner, der etwas bloggt?

Das ist natürlich ein sehr schwieriger Punkt, aber das war vorher sicher auch nicht einfacher. Der Geschmähte muss damit beruflich nicht unbedingt Probleme haben, weil jeder anhand der Art und Weise der Auseinandersetzung darauf schließen kann, wer bei einer Verleumdung oder der Veröffentlichung privater Informationen die Verantwortung trägt. Dennoch bleibt Schmutz ein Stück weit immer haften. Sollten also intime Videos, Bilder oder Texte vom Expartner veröffentlicht werden, dürfte das sehr schnell unangenehm und peinlich für den Betroffenen werden. Alles was digitalisiert worden ist, wird irgendwann seinen Weg in die Öffentlichkeit finden. Damit muss heute jeder rechnen und sollte sich entsprechend online wappnen.

BP: Sehen Sie ein größeres Potenzial im Erzeugen von Reputation oder im Vermeiden von unerwünschter?

Wer aktiv an seiner Online-Reputation arbeitet, kann dadurch das Unerwünschte unter Umständen weitgehend unsichtbar machen. Je weniger ich selbst tue, desto mehr zerstöre ich meine Reputation unter Umständen. Schließlich gebe ich anderen Möglichkeiten, Falsches zu behaupten oder Richtiges aus den Zusammenhang zu reißen. Wenn ich nicht gefunden werde von einem potenziellen Unternehmen, einem Journalisten oder als Dienstleister von einem potenziellen Kunden, verliere ich Business- und Karrierechancen. Da ist es natürlich von Nachteil, wenn ich Müller, Meier oder Schmidt heiße. Aber warum sollte man nicht darauf stolz sein, gefunden zu werden? Es schafft Vertrauen, wenn der erste Eindruck auch online positiv ist.

Präsentiere ich meine Zitate, meine Meinung auf einer eigenen Seite, und sei es nur auf einer Xing-Homepage, habe ich dadurch die Chance, dass andere das aufgreifen und auch zitieren und verlinken. Wenn ich nicht online mit eigenen Präsenzen gefunden werde, habe ich keinerlei Möglichkeiten, mich dort zu verteidigen. Ich werde dann z. B. nur als Medienspielball gefunden, wie es schon Herrn Zumwinkel erging, der einmal Manager des Jahres war und heute nur noch als Steuerhinterzieher online wahrgenommen wird. Eine eigene Verteidigungslinie hatte der ehemalige Postchef nicht, weil es ihm an einer Website oder auch nur an einem Online-Profil bislang völlig fehlt.

BP: Das Gleichstellungsgesetz hat Personalmanagement und Einstellungsprozesse jüngst verändert. Sehen Sie einen Bedarf, dass ein potenzieller Arbeitgeber protokolliert, welche Überprüfungsschritte er getätigt hat?

Das finde ich schwierig. Sie dürfen in den Unternehmen längst nicht alle persönlichen Daten sammeln. Gleichzeitig stellen viele Menschen freiwillig Privates von sich ins Netz. Es spricht nun gar nichts dagegen, sich als Arbeitgeber einen ersten Eindruck von einem Jobkandidaten zu machen. Allerdings sollte das nicht Grundlage einer Personalakte werden. Das ginge nun wirklich zu weit. Am Beispiel der Bewerbungsbogen für die neue US-Administration kann man sehen, wie weit die Personalanfoderungen manchmal schon gehen können: Die Bewerber sollen alle ihre Online-Aktivitäten offenlegen und sogar ihre Pseudonyme angegeben, damit die neue Regierung sich nicht angreifbar macht. Das hat in der Tat schon Orwell’sche Züge.

BP: Warum ist Ihr Buch auf die “Karrierefalle Internet” zugespitzt? Und nicht “Karrierechance…” oder “Kulturtechnik Online-Reputation-Management”?

Wer weiß schon, was sich hinter der dem Online Reputation Management verbirgt. Nur Experten, die ich mit meinem Buch erst in zweiter Linie ansprechen möchte. Ich hab es zugespitzt auf den Begriff “Karrierefalle Internet”, weil ich in den vergangenen Jahren in meinen Workshops immer wieder erleben musste, dass viele Menschen immer noch viel Angst vor dem Internet haben. Bevor ich etwas falsch mache, lasse ich es lieber ganz bleiben. Dabei sollten die Menschen eher davor Angst haben, nichts zu tun. Ich will sie ein Stück weit aufrütteln und klarmachen, dass gerade diejenigen in die Karrierefalle Internet tappen, die nicht bewusst mit ihren persönlichen Daten umgehen und daran denken, dass andere mitunter weniger Rücksichten auf ihre Interessen nehmen. Mit meinem neuen Buch will ich vor allem den durchschnittlichen Onlinern zeigen, wie sie sich Schritt für Schritt von der Karrierefalle entfernen können und wie sich gleichzeitig dadurch neue Karrierechancen für sie eröffnen.

Über den Autor
Andreas Wagnerhat gerade seinen MBA in Media Management gemacht (Xing). Der Wahl-Hamburger ist als freier Medienberater tätig. Seit 2000 setzt er sich unter anderem mit SEM-Konzepten für den PR-Bereich auseinander. Privat ist er großer Fan von anspruchsvoller Unterhaltung im Netz.
 
 

7 Kommentare zu ““Ein lebenslanger Bewerbungsprozess” – Interview mit Klaus Eck zu Online-Reputation-Management”
 
11:31 | Nov 25' 2008| » “Ein lebenslanger Bewerbungsprozess” - Interview mit Klaus Eck … | corporated.net schreibt:

[...] Go here to see the original [...]

 
17:59 | Nov 25' 2008| » Der gute Ruf!, Blogpiloten.de - willkommen im wir.netz schreibt:

[...] | die Woche, Web 2.0 |   Lesezeichen hinzufügen bei… del.icio.us Mr. Wong Yigg Webnews Digg   Kommentarverfassen [...]

 
22:48 | Nov 25' 2008| Housten, wir haben ein Problem « Mjays Planet schreibt:

[...] All dieser Medienprotest, dieses betteln nach Aufmerksamkeit und die Forderung, dass sich die Strukturen doch endlich ändern mögen, trägt all die Züge einer klassischen Adoleszenz. Nur eine Frage scheint nicht wirklich gestellt zu werden: Wozu machen wir das?  Bloggen wir, wie Oliver Reichenstein glaubt, aus reinem Narzissmus? Was glauben wir, mit unserem Engagement innerhalb dieser sozialen Medien erreichen zu können, wenn wir Selbstdarstellung einmal außen vor lassen? Ist Bloggen, Twittern, die Präsenz bei Facebook, StudiVZ und Xing vielleicht doch nichts anderes als ein lebenslanger Bewerbungsprozess? [...]

 
12:50 | Nov 26' 2008| MySQL :: Observations by Kaj Arnö @Sun schreibt:

[...] First, go read this fresh interview with the German social networking guru Klaus Eck. It’s about “a life long job application process”. [...]

 
23:28 | Nov 26' 2008| Kaj fotografiert » Blog Archive » Karrierefalle Internet: Angeblich erste Kritik auf Englisch? schreibt:

[...] Erstens, lesen Sie dieses frische Interview mit dem Social-Networking-Guru Klaus Eck. Es geht um einen “lebenslangen Bewerbungsprozess”. [...]

 
10:20 | Dez 08' 2008| Online Reputation Management Tutorial » SEO Marketing Blog schreibt:

[...] Online Reputation Management wäre theoretisch gesehen seit dem Entstehen des Webs möglich gewesen. Aber erst seit 1,2 Jahren entkommt diese Thematik dem Nischendasein. Sie ist mittlerweile höchst relevant und die Tendenz ist steigend. Ob dies positiv oder negativ einzuordnen ist, bleibt abzuwarten. In den meisten seriösen Unternehmen dürfte diese Entwicklung demnächst rückwirkend als Meilenstein in der Unternehmenskommunikation betrachtet werden. Noch nie war es möglich, einen Ruf derart gezielt zu optimieren und vor allem: Dinge ungeschehen zu machen. Genau hier sehen viele auch ein elementares Problem: die Möglichkeiten des Online Reputation Management könnten grundsätzlich auch der negativ behafteten Manipulation dienen. Unseriöse Personen oder Unternehmen bekämen damit das Rüstzeug, bestimmte Dinge zu verschleiern. So oder ähnlich denken viele, wenn sie zum ersten Mal ausführlich mit der Thematik des Online Reputation Management konfrontiert werden. Doch ganz so leicht gestaltet sich der Missbrauch dieser Maßnahmen eben nicht. Besonders gefährliche Aktivitäten, notorische Gesetzesbrecher und Bauernfängereien jeder Art sind Fakten, die sich über herkömmliche Suchergebnisse hinwegsetzen und oftmals auch das Medium Internet durchbrechen und zu intermedialer Aufmerksamkeit führen. Zudem kommt die Tatsache zum Tragen, dass die ältesten, größten und somit in den Augen von Google ebenfalls extrem wichtigen Publikationsforen (Nachrichtenseiten, Communities etc.) besitzen meist eine derartige Wichtigkeit, sprich Authority, dass sie Online Reputation Management Maßnahmen übergehen können. Desweiteren gibt es auch noch den bekannten Effekt, dass (potentiell böse) Webseiten aus dem Index der Suchmaschinen entfernt werden oder zumindest eine entsprechende Ranking-Abstrafung (Penalty) erhalten, wenn ein zu schneller Linkaufbau stattfindet. Dieser Mechanismus – von Google offenbar ursprünglich deshalb eingeführt, weil eben nur ein halbwegs natürliches Linkwachstum im Rahmen des natürlichen Linkwachstums einer Webseite liegt und „überoptimierte“ neue Webseiten eben nicht so relevant sein sollen, wie besonders alte, natürlich gewachsene Webseiten – zeigt sich hier also von einer ganz anderen Seite. Als Fazit kann ich mit gutem Gewissen festhalten, dass der SEO-Bereich, die PR und insbesondere auch das Management des digitalen Zeitalters mit Online Reputation Management um eine derart effektive Maßnahmen-Sammlung bereichert wurden, dass ich das Online Reputation Management als vollwertigen Bestandteil der zukünftigen Kommunikationsstruktur von Personen,Unternehmen und Organisationen sehe. Ich bin gespannt, inwiefern sich das Online Reputation Management in den SEO- und Agenturalltag integrieren wird und insbesondere auch darauf, wie stark das Ganze zukünftig Beachtung finden wird. Eines kann ich aus dem SEO-Alltag feststellen: die Nachfrage ist enorm und steigt permanent an! Dass die Möglichkeiten des Online Reputation Management aber noch längst nicht ausgeschöpft sind, zeigt insbesondere die Tatsache auf, dass Domains wie „digitaler-ruf.de“ noch weitgehend frei sind. Während der Erstellung dieses Artikels konnte ich natürlich nicht wiederstehen und habe mich mit einigen eingedeckt – das Thema ist schließlich mehr als „hot“! … und wen wir schon bei „hot“ sind: ich habe mir die Finger wund getippt und das Wochenende ist längst überfällig. Ich freue mich wie immer über konstruktive Kritik und wünsche Euch ein schönes Nikolaus-Wochenende! :-) Beste Grüße, Manuel Fuchs Ach ja … bevor ich es vergesse: hier noch ein paar nützliche Ressourcen zum Thema Online Reputation Management: Sven hat das Thema sehr schön aufbereitet. Bei ihm findet ihr auch praxisbezogene Informationen. :-) Malte hat dem Themenkomplex gleich ein ganzes Blog gewidmet … immer wieder eine Freude, darin zu lesen! Auch in der PR Kolumne findet man einige interessante Ansätze – aber eben auf PR und nicht auf SEO-Basis. Spannend! Bei den Blogpiloten gibt es zudem ein interessantes Interview mit dem PR-Blogger Klaus Eck zu lesen, in dem das Online Reputation Management weniger aus SEO-Sicht behandelt wird. Sehr interessant – gerade für Leute aus der PR, SEOs & Marketeers! Zuguterletzt kann ich noch einen Artikel im Online-Marketing-Forum.at empfehlen. Sehr umfangreich, gut thematisiert! [...]

 
12:06 | Apr 26' 2009| Manuels Online Reputation Management Tutorial | SEO BLOG schreibt:

[...] den Blogpiloten gibt es zudem ein interessantes Interview mit dem PR-Blogger Klaus Eck zu lesen, in dem das Online [...]

 
 
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