
Dienstag, 2.2.2010
Charlemagne Palestine sitzt im Glockenturm des Carillon vor dem Haus der Kulturen der Welt. Draußen fegt ein Schneesturm durch die Dunkelheit. Wir stapfen durch den frischen Pulverschnee, bleiben vor dem Kanzerlinnenamt stehen und schauen rüber zum Turm. Normalerweise stellt ihn die schwangere Auster in den Schatten. Doch heute ist die Nacht des Glockenturms, alle werden sich an ihn erinnern.
Es ist kurz nach Acht, die Performance zur Eröffnung der Transmediale beginnt. Von einem Moment auf den anderen steht ein Regenbogen aus Lasern in der Luft. Eine horizontale Straße vom Raumschiff aus, das das Haus der Kulturen der Welt ist. Charlemagne Palestine fängt an zu spielen. Glocke für Glocke, Ton für Ton webt er langsam repetitive Muster mit minimaler melodischer Variation. Der Schnee tanzt in den Lasern, und wirbelt in Rot, Gelb, Blau, als ob ihn Palestines Musik umherweht. Langsame schwellen die Klänge an, dann wieder ab, kommen zurück in neuen Farben und setzen wieder an, wenn man denkt, es sei schon vorbei. Eine sonderbar-schöne Mischung aus Sonntagsglocken, “Pace!” und Sci-Fi zum Auftakt der Transmediale.10.
Ein Stück der “Tintinnabulations for Tommorrow and Tommorow” kann man bei 12seconds.tv sehen und hören. Charlemagne Palestine spielt außerdem noch einmal am Freitag, den 4.2.2010, im Rahmen der Transmediale im Französischen Dom in Berlin: Spectral Continuum 2010.
Anja Kriegerist Kulturwissenschaftlerin, freie Journalistin und Texterin und lebt in Berlin. Sie arbeitet über Netzkultur, digitale Medien und Netzbewegungen in Berlin. Für die Fachbuchplattform PaperC betreut sie Blog, Text und Social Media. Ihre Beiträge finden sich auf anjakrieger.com.












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